Gastbeiträge

Beziehungskiller Unpünktlichkeit?!

Beziehungskiller Unpünktlichkeit

Gastbeitrag von Beziehungsexpertin Dr. Judith Gastner

Kennen Sie das? Sie stehen mal wieder auf den Punkt genau am verabredeten Treffpunkt, starren auf die Armbanduhr – Von Ihrem Partner weit und breit keine Spur. Die ersten paar Male hat Sie sein Zu-Spät-Kommen noch gar nicht besonders gestört. Inzwischen ist Ihr Geduldsfaden allerdings deutlich kürzer geworden. (Partner 1)

Oder die andere Seite? Eigentlich bemühen Sie sich um Pünktlichkeit. Nun wurden Sie leider aufgehalten, standen im Stau oder haben die Entfernung falsch eingeschätzt. Aber das Wetter ist zum Glück schön. Da ist es ja nicht so schlimm, mal ein Viertelstündchen zu warten. (Partner 2)

Blick in die Köpfe – Teil I: Vor dem Treffen  

Partner 1: „Jetzt lässt er mich schon wieder warten. 20 Minuten!! Na, toll! Da hätte ich noch in Ruhe einen Kaffee trinken können. Stattdessen steh ich hier blöd rum wie bestellt und nicht abgeholt. Ihm ist mal wieder alles andere wichtiger als ich. Dabei hab ich ihm schon so oft gesagt, dass mich dieses Zu-spät-Kommen wahnsinnig macht. Ich finde das respektlos. Aber das ist ihm ja offenbar völlig egal!“

Partner 2: „Oh Shit! Bin etwas spät dran. Bestimmt werd ich gleich wieder mit Vorwürfen überschüttet. Mann, wie das nervt! Eigentlich können wir den Nachmittag gleich in die Tonne treten. Ich strampel mich ab, um irgendwie früher aus dem Meeting zu kommen, und dann krieg ich einen Einlauf verpasst und die Stimmung ist im Keller!“

Blick in die Köpfe – Teil II: Aufeinandertreffen

Partner 2: “Jetzt sprech ich mein Zu-Spät-Kommen mal einfach gar nicht erst an. Wenn das Thema auf dem Tisch ist, gibt’s nämlich garantiert Stress. Vielleicht kriegen wir ja doch noch die Kurve…“

Partner 1: “Krass! Lässt mich hier fast eine halbe Stunde warten und entschuldigt sich noch nicht mal! Also DAS ist jetzt wirklich das allerletzte!“

Was folgt? Genau! Ein satter Streit, der beiden (mal wieder) ordentlich den Nachmittag verhagelt.

4 Expertentipps, damit Unpünktlichkeit nicht zum Dauerbrenner wird

Was braucht es, damit es in Zukunft gar nicht erst so weit kommt? Dr. Judith Gastner, Beziehungsexpertin von PaarBalance, weiß Rat.

Tipp 1: Unpünktlichkeit nicht mit mangelnder Wertschätzung verwechseln

Ein häufiger Trugschluss ist, dass Unpünktlichkeit zwangsläufig bedeutet, dass dem Partner andere Dinge wichtiger sind oder Unpünktlichkeit sogar ein Anzeichen mangelnder Liebe wäre. Pünktlichkeit ist eng mit einem guten Zeitmanagement verbunden. Und besser mit seiner Zeit zu haushalten, kann gelernt werden – allerdings klappt das nicht von jetzt auf gleich. Versuchen Sie, Ihrem Partner keine bösen Absichten zu unterstellen. Gehen Sie lieber davon aus, dass er sich bemüht, pünktlich zu sein – auch wenn es ihm nicht immer gelingt.

Tipp 2: Den Wunsch nach Pünktlichkeit nicht als Pedanterie abtun

Nehmen Sie den Wunsch Ihres Partners nach Pünktlichkeit ernst. Versuchen Sie zu verstehen, was Ihren Partner an dem Zu-Spät-Kommen am meisten stört. Fragen Sie in Ruhe nach, worüber genau er sich ärgert. Mehr Verständnis für die Gefühle des anderen zu haben, wird Sie motivieren, Ihre Pünktlichkeit weiter zu verbessern. 

Tipp 3: Absprachen treffen

Reden Sie in einem ruhigen, entspannten Moment über das Thema (Un-)Pünktlichkeit und überlegen Sie sich gemeinsam, wie Sie damit umgehen könnten. Wäre es beispielsweise hilfreich, dass Ihr Partner anruft, wenn er sich verspätet? Ab wie vielen Minuten wäre ein Anruf sinnvoll? Wie könnte der Wunsch nach Pünktlichkeit in der konkreten Situation formuliert werden, ohne dass es nach einem Vorwurf klingt?

Tipp 4: Kompromisse finden

Und last not least: Suchen Sie nach Kompromissen. Meist lassen sich pragmatische Lösungen finden, mit denen beide Seiten gut leben können. Zum Beispiel: Verabredungen nicht punktgenau vereinbaren, sondern eine Toleranzzeit vereinbaren. Oder: Den Treffpunkt so wählen, dass es der Wartende möglichst gemütlich hat. Oder: Ein Sparschwein besorgen, in das der Zu-Spät-Kommende pro Minute Delay einen kleinen Beitrag einzahlt. Der Pünktliche darf darüber verfügen, womit das Geld dann irgendwann auf den Kopf gehauen wird… Werden Sie gemeinsam kreativ, um das Problem zu lösen!


Über unsere Gastautorin Dr. Judith Gastner

Dr. Judith Gastner von PaarBalanceDie Diplom-Psychologin, Psychotherapeutin und Pädagogin blickt auf eine langjährige Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der TU München zurück.

In dieser Zeit widmete sie sich gleichermaßen Patientenversorgung, Forschung und Lehre. Aufgrund ihres Interesses am Einsatz neuer Medien im Kontext Lehre und Coaching wurde sie im Rahmen des Qualifizierungsprogramms “eTeaching” zertifizierte Medizindidaktikerin der TU München.

Heute arbeitet Judith Gastner in eigener Praxis als kognitive Verhaltenstherapeutin und Coach. Zu einem ihrer Behandlungsschwerpunkte zählt die Beratung von Einzelpersonen und Paaren in den Bereichen Beziehungsanbahnung, Partnerschaftsgestaltung, Sexualität, Krisenbewältigung und Trennungsverarbeitung.

Noch Fragen? Unter www.paarbalance.de finden Sie die Kontaktdaten der Beziehungsexpertin sowie weitere Beziehungstipps. Schauen Sie mal rein, es lohnt sich!

Kommentare

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.