Artikel

Die Schlacht bei Waterloo

Schlacht bei Waterloo (Gemälde)

Ein unpünktliches Heer mit verheerenden Folgen  

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, kann über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Napoleon, der „große“ Kaiser der Franzosen, musste diese Lektion in seiner bittersten Niederlage erfahren. 

Viele Historiker sind der Meinung, dass die Entscheidung über Sieg und Niederlage Napoleons in der Schlacht bei Waterloo am 18. Juni 1815 gefallen ist, weil er seinem Heer nicht rechtzeitig den Befehl zum Angriff erteilt hatte. Man könnte also sagen, Napoleon war etwas unpünktlich – und hat damit die Gunst der Stunde verpasst.

Trödelnde Franzosen + verspätete Deutsche = genervte Briten

Denn was Napoleon damals nicht wusste: Auf der anderen Seite wartete Arthur Wellesley, Herzog von Wellington und Anführer des britischen Heeres, stundenlang auf die zugesagte Verstärkung durch die Preußen. Diese waren – ganz anders als ihr Ruf vermuten ließe – noch immer auf dem Weg zum Schlachtfeld und längst überfällig. In seiner angespannten Verzweiflung soll der Herzog von Wellington seinen berühmten Satz gesagt haben: „I want night or Blucher!“, was frei übersetzt so viel heißt wie:

„Ich wünschte es wäre Nacht, oder die Preußen kämen!“

Aber Moment mal: Die deutschen Preußen zu spät? Sehr, sehr untypisch für eine Nation, die heute für ihre Pünktlichkeit auf der ganzen Welt bekannt ist. Doch zu Europas Glück wusste Napoleon nicht, diese Verspätung für sich zu nutzen. Und so gab der kleine Korse erst gegen 13:00 Uhr den Befehl zum Angriff.

Die ersten Gefechte fielen anfangs noch sehr vielversprechend für das französische Heer aus. Doch gegen 15:00 Uhr traf endlich ein Teil der von den Briten ersehnten preußischen Unterstützung unter der Führung von Graf Bülow von Dennewitz ein.

Besser spät als nie: Die preußische Verstärkung wendet das Blatt

Schlachtplan: WaterlooSpät, aber nicht zu spät! Die preußischen Truppen gaben den schon fast verzweifelnden Briten wieder Auftrieb und so konnte die Stellung erstmal gehalten werden. Gegen 19:00 Uhr warf Napoleon seinen letzten Trumpf in die Waagschale: die Alte Garde, seine nie besiegten Veteranen. Doch auch dieses Mal erreichten die unpünktlichen (aber nicht zu unpünktlichen) Preußen, nun unter General Zieten, gerade noch rechtzeitig das Schlachtfeld – und konnten das Blatt erneut wenden. Wenig später musste sich Napoleon endgültig den Engländern ergeben.

Übrigens: Bis zu seinem Tod 1821 ließ den besiegten Kaiser der Franzosen die bohrende Frage des Scheiterns nicht mehr los. Was waren die wahren Gründe für „sein Waterloo“: Waren es falsche Entscheidungen, eine fehlerhafte Strategie? Oder war es nicht doch Napoleon, der einfach nicht begreifen wollte, was die Stunde geschlagen hatte?

Was bleibt, ist der Faktor Zeit: Napoleon hat durch seine Unpünktlichkeit am 18. Juni 1815 den entscheidenden Vorteil der Überzahl an Streitkräften verstreichen lassen. Zwar glänzten auch die Preußen mit erheblicher Verspätung, aber manchmal ist im Leben auch zu spät sein genau der richtige Zeitpunkt. Ganz nach dem Motto:“ “Ich kam zu spät, sah und siegte!”

Das Leben ist nun mal paradox!

Kommentare

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.