Artikel

Woher kommt eigentlich die akademische Viertelstunde?

Woher kommt die akademische 1/4 Stunde?

Gebildete Menschen dürfen später kommen?!

Dass Studenten meistens zu spät kommen, ist nicht bewiesen. Aber eigentlich wissen wir doch alle, dass es der Wahrheit entspricht! Man kann in vielen Fällen froh sein, wenn sie überhaupt kommen.

So ist es heute und so war es auch damals. Wer der schon etwas älteren Generation angehört und sich dennoch an seine Studentenzeit erinnern kann, muss sich selbst eingestehen, dass man selbst vielleicht auch nicht immer der Pünktlichste war. Und das aus gutem Grund: Denn wozu gäbe es sonst die akademische Viertelstunde!?

9:00 Uhr heißt nicht 9:00 Uhr

Der Ursprung dieser zeitlichen Flexibilität für Studenten liegt schon mehr als 400 Jahre zurück. In diesen Jahren waren Räumlichkeiten an akademischen Einrichtungen nämlich Mangelware. Fast wie heute! (Anm. der Redaktion). Ein Umstand, der die Professoren der Universitäten immer wieder dazu veranlasste, ihre Privatwohnungen für die Vorlesungen zur Verfügung zu stellen. Nicht mehr so wie heute! (Anm. der Redaktion).
Das bedeutete für die Studenten einen enormen zeitlichen Aufwand… allein für An- und Abreise. Eine Viertelstunde war daher noch knapp bemessen, um ggf. vom einen Ende der Stadt zur nächsten Vorlesung am anderen Ende zu gelangen. Schicker Campus? Fehlanzeige!

Unpünktlichkeit: Das Recht der Elite?

Akademische ViertelstundeDie Universitäten stellten sich in den folgenden Jahren immer mehr auf den Ansturm an Studenten ein und die Anzahl der Hörsäle nahm deutlich zu. Dennoch blieb die akademische Viertelstunde bestehen und wurde mit dem lateinischen Kürzel c.t. (lat.: cum tempore = „mit Zeit“) in den Vorlesungsplänen gekennzeichnet.

Übrigens: Es war zu dieser Zeit üblich, den Stoff der vorangegangenen Veranstaltung in den ersten 15 Minuten nochmals zu wiederholen. Studenten, die von ihrem Können überzeugt waren und den Stoff kein zweites Mal hören wollten, konnten so den Anfang der Vorlesung einfach auszulassen.

Vorlesungen, bei denen eine pünktliche Anwesenheit gewünscht bis gefordert wurde, hatten dagegen einen Vermerk mit dem lateinischen Kürzel s.t. (=sine tempore, also der pünktliche Beginn zur vollen Stunde). Diese Kürzel gelten in vielen Universitäten auch heute noch.

Die akademische Viertelstunde: Nur noch faule Ausrede?

Heutzutage gilt die akademische Viertelstunde für viele nur noch als willkommene Ausrede für das Zuspätkommen. Schlimmer noch: So manch notorischer Zuspätkommer begründet andere Verspätungen gerne damit, dass die akademische Viertelstunde als eine allgemeine Regel korrekter Umgangsformen zu verstehen sei. Klar…

Aber mal im Ernst, wir meinen: Eine Verspätung ist keine höfliche Umgangsform. Auch nicht als Akademiker!

Kommentare

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.